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V2 - Vergeltungs­waffe Hitlers und ein Verräter in der Deutschen Wehrmacht

Wodurch Hitlers Vergeltungswaffe V2, eine der Wunderwaffen des Deutschen Reichs am Ende des Zweiten Weltkriegs in Stalins Hände fiel

Aufklärungen zu V2

Mein Name ist Robert Koch. Ich bin geboren am 24.02.1907 in Danzig. Im Zivilberuf bin ich Stadtsekretär in Danzig. Meine Frau und zwei Kinder wohnen in Danzig-Langfuhr, Luisenstr. 16. Bis zum 01.09.1939 war meine Staatsangehörigkeit „Freie Stadt Danzig“. Dann wurde die Freie Stadt Danzig von Adolf Hitler annektiert und ich wurde gegen meinen Willen in die Deutsche Wehrmacht eingezogen. Ich ging aber nicht zur kämpfenden Truppe, sondern zur Schreibstube. In dieser Tätigkeit wurde ich bis zum Jahre 1941 Feldwebel und im Jahre 1942 wurde ich Intendant für Verpflegung, Begleitung pp. in der Deutschen Wehrmacht (Wehrmachtsbeamter im Offizier-Rang).

Ich habe in der Deutschen Wehrmacht viel illegale Propaganda gegen Hitler und seine Helfershelfer gemacht, denn ich war immer schon ein Feind des Hitlerismus. In den Jahren 1929 bis 1934 war ich Mitglied der SPD bzw. der KPD Sektion Danzig, bis diese Parteien im Jahre 1934 in Danzig verboten wurden. Ich habe immer weiter Propaganda gegen Hitler gemacht und meinen Kopf dafür eingesetzt. Ich habe sehr viel den Sender Luxemburg und den Radiosender „Freies Deutschland“ - General von Seydlitz - gehört und die Wahrheit unter meinen Kameraden verbreitet. Mein Wunsch ist es, mich dem „Komitee Freies Deutschland“ anzuschließen.

Auch mein Vater war immer gegen den Hitlerismus. Dafür wurde er schon im Jahre 1936 als Zivilbeamter degradiert. Er wohnt in Danzig-Langfuhr, Magdeburger Str. 36. Ich selbst wurde auf Denuzierung der Nazipartei von meinem Posten als Intendant wegen politischer Unzuverlässigkeit degradiert und wieder wie früher Feldwebel.

Am 29.08.1944 kam ich zum Pionier-Ersatz-Bataillon 12 in Schwedt/Oder und sollte von dort aus an die Front geschickt werden. Ich wollte aber nicht für Hitler und seine Clique kämpfen.

Auf einer Dienstreise von Schwedt/Oder nach Graudenz kam ich über Danzig am 20.01.1945 und blieb hier eine Woche illegal bei meiner Familie. Am 27.01.1945 meldete ich mich bei der Festungskommandantur in Danzig und sagte, dass ich eben erst von Graudenz gekommen war. Die Festungskommandantur Danzig teilte mich der Pionierkompanie in Danzig als Verpflegungsfeldwebel zu.

Am 23.03.1945 und 24.03.1945 fand ich Flugblätter von Marschall Rokossowski, die ich an mich nahm. Vom 25.03.1945 bis 27.03.1945 habe ich mich unter Lebensgefahr vor der SS und Gestapo im Keller meines Hauses in Danzig-Langfuhr, Luisenstr. 16 versteckt und bin am 27.03.1945 um 8:00 Uhr morgens mit weißer Fahne den russischen Soldaten entgegen gegangen.

Ich habe schon früher immer den Gedanken gehabt, mich durch die Front zu den alliierten Truppen durchzuschlagen. Ich war aber immer nur auf Schreibstube und konnte deshalb nicht früher überlaufen.

In Polen 1939 und Frankreich 1940 war ich Rechnungsführer-Unteroffizier. In der Sowjetunion war ich nicht. Ich habe also in diesem Kriege noch keinen Schuss auf einen Menschen abgegeben und darauf bin ich stolz. Deshalb besitze ich auch keine Tapferkeitsauszeichnung, sondern nur eine kleine Auszeichnung für meinen Schreibstubendienst (Kriegsverdienstkreuz II. Klasse).

Ich habe einen großen Hass gegen den Hitlerismus, der meine Heimatstadt Danzig und das ganze deutsche Volk ins Verderben geführt hat. Ich verabscheue die gemeine Kriegsmaschinerie des Hitler-Deutschlands.

Die gefährlichste Waffe - V2 - will ich vernichten helfen. Ich war als Intendant bei dieser Waffe von den ersten Versuchen bis zu meiner Degradierung. Ich habe an allen Offiziersbesprechungen bei V2 teilgenommen und alle Geheimbefehle gelesen. Dann habe ich die Fabrikation von V2 gesehen und war dabei, wie damit geschossen wurde.

Die hauptsächlichsten Funktionen der V2 werde ich jetzt angeben. Die genauen Fabrikationspläne und Zeichnungen werde ich mit Unterstützung geeigneter Offiziere der Roten Armee beschaffen. Ich werde nicht eher ruhen, bis alle Pläne und Tabellen den Nazis entrissen sind. Aber ich fühle mich nicht als Landesverräter, sondern ich will mithelfen meine Heimat von Hitler, Himmler und Goebbels pp. zu befreien, die das deutsche Volk immer nur belogen und betrogen haben.

Ich fühle mich immer noch als Staatsangehöriger „Freie Stadt Danzig“ und habe mich niemals als Feind gegen andere Nationen gezeigt. Ich bin jetzt freiwillig als Freund der Alliierten zur Roten Armee gekommen und wünsche daher auch nicht als Feind behandelt zu werden. Für mich und meine Familie beanspruche ich völlige Unantastbarkeit und die Belassung des Eigentums, wie es der sowjetische Marschall Rokossowski garantiert hat.

Meine Aussagen kann ich durch Dokumente beweisen:

  • Reisepass für Staatsangehörige „Freie Stadt Danzig“
  • Degradierung Urkunde vom Generalskommando XX. A. K. Danzig mit Feldpostnummer 58305 = Artillerieregiment 836 = V2
  • Soldbuch Pionier-Bataillon 12 Schwedt/Oder vom 29.08.1944
  • Sonder-Reise-Ausweis Pi.12 Schwedt-Graudenz vom 17.01.1945
  • Flugblätter von Marschall Rokossowski
  • Ausweis der Pionier-Kompanie Festungskommandantur Danzig
  • Verpflegungszettel der Pionier-Kompanie Danzig
  • Urkunde des Oberbürgermeisters von Danzig

Zu meinen Aussagen können jederzeit in Danzig vernommen werden:

  • Frau Elisabeth Koch, Danzig-Langfuhr, Luisenstr. 16
  • Fräulein Eva Koch, Danzig-Langfuhr, Luisenstr. 16
  • Vater: Franz Koch, Danzig-Langfuhr, Magdeburger Str. 36
  • Mutter: Johanna Koch, Danzig-Langfuhr, Magdeburger Str. 36
  • Schwester: Lisa Niedrich, geb. Koch, Danzig-Langfuhr, Magdeburger Str. 36
  • Alle Einwohner meines Hauses Danzig-Langfuhr, Luisenstr. 16
  • Mein Zivil-Chef: Oberamtmann Karow, Danzig-Langfuhr, Magdeburger Str. 10
  • Mein Kompanie-Führer: Oberleutnant Thiem, Danzig (gefangen)

Allgemeines zu V2

V2 ist eine Fernkampf-Waffe, deren Reichweite im Gegensatz zu V1 das dreifache, also 500 km beträgt. Es ist dies die beste deutsche Waffe, die jemals erfunden wurde. Ich glaube nicht, dass noch bessere deutsche Waffen kommen werden. Das ist nach meiner Ansicht nur eine Goebbels-Propaganda um das deutsche Volk noch länger zum sinnlosen Widerstand zu zwingen.

Die Erfinder von V2 (Konstrukteure) sind:

  • SS-Opergruppenführer Prof. von Braun
  • General-Major Dr. Ing. Dornberger

Die Versuche zu dieser Erfindung reichen zurück bis in das Jahr 1934. Ich kenne die Erfinder persönlich, denn als Intendant bei V2 habe ich oft Gelegenheit gehabt, mit diesen Männern und allen anderen maßgeblichen Personen zusammen zu sein.

General-Major Dr. Ing. Dornberger ist ein kleiner schlanker Offizier von etwa 60 Jahren. Professor Doktor Braun ist ein mittelgroßer SS-Offizier von etwa 40 Jahren. Während Prof. Dr. von Braun der Theoretiker ist, ist General-Major Dr. Ing. Dornberger der Praktiker.

Beide Offiziere wurden vor einigen Monaten mit dem Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet. In der Presse wurden aber die Namen verschwiegen. Diese sollen erst später, das heißt nach Kriegsschluss, bekannt gegeben werden.

Die Fabrikation von V2

Die Werke zur Fabrikation von V2 befanden sich bis September in Karlshagen in Pommern. Unter der Leitung von besonders herangebildeten Facharbeitern wurde wurden hier die Einzelteile der V2 fertiggestellt und unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen unter größter Bewachung zusammengestellt.

V2 mit dunkelgrünen Anstrich

Eine V2 mit Tarn­anstrich

Alle Mitarbeiter waren besonders vereidigt. Einige, die zu Bekannten davon gesprochen hatten, sind erschossen worden. Ebenfalls einige Offiziere, deren Namen ich aber nicht kenne. Als Folge der Indiskretion einiger Mitarbeiter hat die Regierung von England erfahren, dass in Karlshagen etwas Besonderes fabriziert wurde und starke britische Bomberverbände griffen mehrmals mit guter Wirkung die Werke in Karlshagen an. Dadurch wurde die Fabrikation sehr verzögert.

Es war geplant, V2 noch vor der erwarteten Invasion in Tätigkeit zu setzen. Dieser Termin konnte aber nicht eingehalten werden.

Das V2-Geschoss wird unter dem Deck-Namen „A4“ fabriziert. Es ist 12 m lang und hat 2 m im Durchmesser. Die Form siehe laut Zeichnung.

  • Der Mantel (die äußere Umhüllung) besteht aus Leichtmetall und hat einen dunkelgrünen Anstrich.
  • Das Innere des „A4“-Gerätes gliedert man in drei Haupt-Teile (siehe Zeichnung).
  • In dem obersten Teil (Spitze) befindet sich der Sprengstoff (Dynamit, Donarit, pp.).
  • In dem mittleren Teil befinden sich die elektrischen Armaturen für die Fernlenkung (Hochfrequenz).
  • In dem unteren Teil befinden sich die Apparate zur Aufnahme des Treibstoffs, sogenannter A-Stoff (eine besondere Form von Methyl-Spiritus) und des sogenannten O-Stoffes zur Kühlung des Geschosses auf seiner Flugbahn über die Stratosphäre.
  • Am unteren Teil befinden sich außen dann noch die sogenannten Leitwerk-Flossen (siehe Zeichnung).

Geräte, die zu V2 gehören

Um V2 zum Einsatz an die Front zu bringen, gehören folgende Geräte:

1. Meiler-Wagen

Ein Meilerwagen zieht einen Anhänger mit V2

Ein Meilerwagen zieht einen Anhänger mit V2

Er dient zum Herantransportieren des V2-Geschosses.

2. Der Abschuss-Tisch

Er ist aus Stahl gefertigt und hat auf seiner Platte eine tiefe Rille in die das V2-Geschoss einrastet. (siehe spätere Zeichnung)

3. Der Feuerleit-Panzer

Es ist dies ein Fahrzeug mit sehr starker Panzerung zum Schutze des Batterie-Führers, der aus dem Inneren des Panzers auf elektrischem Wege das V2-Geschoss zur Entzündung bringt. (siehe Zeichnung)

4. Die Brennschluss-Anlage (BS-Anlage)

Es ist dies ein großer Lastkraftwagen, in dessen Inneren sich auf großer Tafel die elektrischen Schalt-Armaturen befinden zur Fernlenkung des V2-Geschosses über die Stratosphäre. (siehe Zeichnung)

5. Strom-Erzeugungswagen (Strüwerwagen)

Hier wird auf dynamischen Wege eine sehr hohe elektrische Energie erzeugt und der Strom den Fahrzeugen 3-4 zugeleitet.

6. Tankwagen

Er dient zum Herantransportieren des A - Stoffes.

7. Tankwagen

Er dient zum Herantransportieren des O - Stoffes.

Fertigmachen des V2-Geschosses zum Schuss

Nachdem der Batterieführer die geeignete Stellung ausgesucht hat, wird der Abschusstisch (2) aufgestellt.

Dann bringt der Meiler-Wagen (1) das V2-Geschoss, welches mittels einer hydraulischen Winde auf den Abschusstisch gestellt wird.

Dann wird aus dem Tankwagen (6) der A-Stoff in das Gerät gefüllt und aus dem Tankwagen (7) der O-Stoff mittels eines besonders konstruierten Schlauches. (siehe Zeichnung)

Die V2 wird in die Startposition aufgerichtet

Die V2 wird in die Startposition aufgerichtet

Abfeuern des V2-Geschosses

Nach dem Fertigmachen des V2-Geschosses lässt der Batterie-Führer das Signal geben, woraufhin jeder Mann die in etwa 300 m Entfernung liegenden Deckungsgräben aufsucht.

Der Batterie-Führer betritt den Feuerleitpanzer

Der Batterie-Führer betritt den Feuerleitpanzer

Der Batterie-Führer begibt sich nun in den Feuerleit-Panzer. Dann gibt er das elektrische Zeichen zum Start an die BS-Anlage. Danach drückt der Batterie-Führer auf den elektrischen Stromschalter im Feuerleit-Panzer und bringt auf elektrischem Wege die V2 zur Zündung.

In der vorher festgelegten Zeit, zum Beispiel: T minus 6 Minuten, treten nun innerhalb der V2 folgende drei Entwicklungsstufen auf:

  • Vorstufe: Der elektrische Funke hat gezündet. Der Treibstoff (5) hat Feuer gefangen. Man hört ein surrendes Geräusch (2 Minuten).
  • Mittelstufe: Der Treibstoff brennt langsam, erwärmt sich und bildet Gase. Man hört das surrende Geräusch stärker (2 Minuten).
  • Hauptstufe: Die Flamme wird allmählich immer größer. Das surrende Geräusch wird immer stärker. Die V2 stößt einen Feuerstrahl aus und hebt sich mit einem starken Ruck vom Abschusstisch (2 Minuten). Nun steigt die Rakete zunächst vertikal (mit einer leichten Neigung zur Schussrichtung) zuerst langsam, dann aber immer schneller werdend in die Höhe. Bis zum Eintauchen in die Wolkenwand kann man die V2 mit den Augen (ohne Fernglas) verfolgen und man hört das donnernde Krachen vor allem beim Aufprall des Geschosses auf die Wolkenwand. Dannach hört und sieht man nichts mehr von der V2. Aber der Offizier in der BS-Anlage steht mit dem Geschoss durch Hochfrequenz-Strahlen weiter in Verbindung. Durch eine Fernseh-Einrichtung kann er den Flug der V2 bis in die Stratosphäre verfolgen (1,5 Minuten). Sobald das Geschoss die befohlene Höhe erreicht hat, gibt der Offizier in der BS-Anlage den sogenannten Brennschluss, d. h. er drosselt auf elektrischem Wege die Flamme ab und das Geschoss steigt nicht mehr höher.

Flugbahn des V2-Geschosses, Aufschlag und Wirkung

  • Die Flugbahn des V2-Geschosses war bis zum Eintreten des Brennschlusses vertikal mit einer leichten Neigung in Schussrichtung.
  • Nach Eintreten des Brennschlusses wird das ferngelenkte V2-Geschoss horizontal umgelegt und zwar mit der Spitze in Schussrichtung.
  • Nachdem das V2-Geschoss die befohlene Entfernung, z. B. 300 km in 6 Minuten zurückgelegt hat und sich über London oder Antwerpen pp. befindet, wird es aus dem Hochfrequenz-Strahlen-Netz der BS-Anlage ausgeschaltet und stürzt nun senkrecht in rasender Geschwindigkeit zur Erde.

Die Geschwindigkeit des V2-Geschosses beim Absturz ist schneller als der Schall, d. h. erst nachdem das Geschoss bereits auf den Erdboden aufgeschlagen ist, hört man das brausende Geräusch des Absturzes und danach die Detonation beim Aufschlag.

Die V2 ist geplant zur Beschießung feststehender Objekte wie London und Antwerpen.

Beim Aufschlag detonieren (explodieren) die Sprengmittel in der Spitze des V2-Geschosses und der restliche Teil des A-Stoffes brennt. Die explosive Wirkung der V2 ist etwa mit der Wirkung einer Luftmine zu vergleichen. Dazu kommt die Brandwirkung.

Die Hauptwirkung des V2-Geschosses liegt aber in der moralisch-deprimierenden Schockwirkung auf den Menschen. Denn zu jeder Tages- und Nachtzeit kann ein V2-Geschoss aus den Wolken auf die Erde stürzen, ohne dass es möglich ist, irgendeine Luft-Warnung zu geben.

Es ist klar, dass in der davon betroffenen Stadt eine große Unsicherheit, Schrecken und Angst verbreitet werden und der öffentliche Verkehr sehr stark darunter leidet. Erhebliche Zerstörungen und große Brände zerstören die betroffene Stadt und es ist klar, dass der Nachschubverkehr in einem Hafen wie Antwerpen sehr stark unter dem Beschuss von V2 leidet.

Gliederung der Bedienungs­mannschaften (Truppe) von V2 (Batterie)

Eine V2-Batterie setzt sich zusammen aus:

  • 3 Schiess-Züge mit je 30 Mann (einschließlich Unteroffiziere) = 90 Mann. Diese haben die Aufgabe die Gerätewagen in Stellung zu bringen, einzugraben und zu tarnen, sowie die V2-Geschosse zum Schuss fertig zu machen.
  • Bedienung der BS-Anlage, Strüwerwagen, Vermessungsleute = 12 Mann
  • Fernsprecher pp. Rechnungsführer, Küche pp. = 20 Mann.
  • 3 Treibstoff-Kolonnen mit je 50 Mann. Diese haben die Aufgabe, mit dem Tankwagen den A-Stoff und den O-Stoff, sowie mit dem Meilerwagen die A4-Geräte = V2-Geschosse bis an die Abschuss-Stelle zu transportieren.
  • Die Batterie wird geführt von einem Hauptmann als Batterie-Chef. Dazu kommen zu 1.) 3 Schiess-Offiziere (Ing.), zu 2.) 3 BS-Offiziere (Elektro-Ing.), 1 Vermessungsoffizier, 1 Fernsprech- und Funk-Offizier und zu 3.) 3 Kolonnen-Offiziere.

Gliederung des Stabs und der Stabs-Batterie

Der Stab der Art.-Abt.(mot) 836, später: Art.-Regt.(mot) 836 = V2 hat die Feldpostnummer 58305.

Die 1. Batterie (Elite-Batterie) hat die Feldpostnummer 06285

An der Spitze des Art.-Regt.(mot) 836 steht der Regiments-Kommandeur, bis Oktober 1944 war es der Oberstleutnant Janusch, der dann zum OKH versetzt wurde.

Dann wurde Oberst Hohmann Regiments-Kommandeur. Sein Adjutant: Oberleutnant Kaiser. Ordonanz-Offizier: Oberleutnat Haarbusch, der gleichzeitig die Geheimsachen bearbeitet. Sachbearbeiter für Elektro-Einsatz: Major Eschweiler und Oberleutnant Wilhelm. Sachbearbeiter für Kraftfahrzeuge: Kr.-Ing. Halcour. Intendant: Glader. Funk-Offizier: Leutnant Helmar-Ivers. Stabs-Arzt: Dr. Holtfreter.

Hauptquartier und Ersatz-Truppenteil von V2

Das Hauptquartier von V2 ist getarnt unter der Feldpostnummer 00400 und befand sich bis zum Ende Januar 1945 in Schwedt an der Oder. Es war beabsichtigt, das Hauptquartier von V2 nach Buddenhagen bei Greifswald in Pommern zu verlegen, wenn die Front näher rückt.

Im Hauptquartier werden sämtliche Pläne und Geheim-Akten von General Metz aufbewahrt. Der Stab des Hauptquartiers hat ungefähr 30 Offiziere der verschiedenen Sachgebiete und etwa 70 Mann einschließlich der Unteroffiziere. Ich kenne die Quartiere in Schwedt genau!

Der Ersatztruppenteil für V2 war immer in Schneidemühl in Pommern und nannte sich Artillerie-Ersatz-und-Ausbildung-Abteilung 271. Ich kenne die Quartiere dieser Abteilung in Schneidemühl genau!

Hier waren bis zum Einzug der Roten Armee die hauptsächlichsten Pläne in den Händen des Leutnants Wolf Westermann, den ich sehr gut persönlich kenne und der vermutlich während der Kämpfe in Schneidemühl in russische Gefangenschaft gekommen ist. Er kennt die genauesten Pläne auswendig.

Besondere Vorkommnisse mit V2

Ich war bei den ersten Schießübungen mit V2 in der Heide bei Debica Distrikt Krakau, früher General-Governement dabei. Unsere Truppe war im Eiltransport von Groß-Born (Truppenübungsplatz bei Neustettin in Pommern) nach Debica geschickt und weilte dort vom Januar 1944 bis zum Eintreffen der Roten Armee Juli 1944 in der Heide bei Debica.

Dann zog meine Einheit in die Tucheler Heide bis Ende Juli 1944. In der Heide bei Debica und in der Tucheler Heide hatten wir mehrmals Besuche vieler hoher Generale, Marschälle und Minister und einmal den Besuch Hitlers. Er trieb die Generale sehr zur Eile an, damit V2 endlich gegen England in den Einsatz kommen sollte.

Es waren aber immer noch technische Fehler zu beseitigen. Die V2-Geschosse hielten den Druck und die Erhitzung zunächst nicht aus, sondern sie zersprangen schon in der Stratosphäre. Dann aber, Ende August 1944 war es soweit. Wir lagen gerade auf dem Truppenübungsplatz Baumholder bei Idar-Oberstein und Saarbrücken.

Hier erhielt ich meine Degradierung vom Intendanten zum Feldwebel (das war mein früherer Dienstgrad, bevor ich Intendant wurde) und meldete mich am 29.08.1944 beim Pionier-Ersatz-Bataillon 12 in Schwedt/Oder. So kam ich zufälligerweise wieder nach Schwedt und konnte das Leben und Treiben des Generalstabs von V2 aus einiger Entfernung weiter beobachten.

Die Elite-Batterie vom Art.-Regt. (mot) 836 ging dann erstmalig Anfang September 1944 im Raum von Bad Godesberg am Rhein in Stellung zum Beschuss auf England.

Ein alter Kamerad, mein früherer Rechnungsführer, Unteroffizier Dr. Hermann Ernst, wohnhaft in Rügenwalde in Pommern kam öfters als Kurier von dem Art.-Regt. (mot) 836 nach Schwedt ins Hauptquartier zu V2 und besuchte mich bei dieser Gelegenheit beim Pionier-Batallion 12. Durch Dr. Ernst erfuhr ich immer, wo die V2-Truppen sich befanden. Mitte Januar 1945 waren die V2-Truppen wieder im Ahr-Tal und sollten sich dann auf die Insel Rügen absetzen.

Gegenmittel gegen V2

Wenn die Hochfrequenz-Wellenlänge bekannt wird, mit der die BS-Anlage das V2-Geschoss steuert, kann die Flugbahn mit der gleichen elektrischen Welle unterbrochen werden und das Geschoss stürzt vor Erreichung des Zieles ab. Die Berechnung-Tabellen hierfür befinden sich beim Hauptquartier von V2 in Schwedt oder Buddenhagen, sowie bei dem Art.-Regt. (mot) 836 und bei der Elite-Batterie.

Wenn folgende Offiziere der Elite-Batterie in russische Gewalt kommen, brauchen wir keine Pläne mehr, denn diese Leute kennen alle Vorgänge aus dem Kopf.:

  • Major Schömig.
  • Hauptmann Nabenhauer.
  • Leutnant Thiel, der beste Kopf der Elite-Batterie aber völlig unmilitärisch und leicht zu beeinflussen. Er stammt aus Ölmütz, Protektorat Böhmen-Mähren Sudetengau. Diesen Mann müssen wir in unsere Gewalt bekommen, dann brauchen wir überhaupt keine Pläne mehr.

Ich schlage deshalb folgende Reisen vor:

  • Nach Danzig in meine teilweise durch die Kampfhandlungen zerstörte Wohnung, Luisenstr. 16. Hier will ich ein Notizbuch mit wichtigen Notizen suchen.
  • Nach Schneidemühl zur Kaserne der Art.-Ersatz und Ausbildungs-Abteilung 271 (Ersatz-Abteilung V2) und Aufsuchen des Leutnants Westermann.
  • Nach Rügenwalde in die Wohnung des Unteroffizier Dr. Ernst. Dort erfahre ich den jetzigen Aufenthalt der Elite-Batterie und des Art.-Regt. 836.
  • Nach Schwedt an der Oder. Dort ist festzustellen, ob der Generalstab von V2 sich noch dort im Hauptquartier befindet. Dann werden in einem besonderen Unternehmen die Pläne beschafft. Das Elternhaus von Leutnant Westermann befindet sich auch in Schwedt.
  • Nach Buddenhagen, dem Evakuierungsort vom Hauptquartier von V2.

Schluss.

Anmerkung: Protokoll der Rote Armee am Endes des Zweiten Weltkriegs, 1945.